| mircea lacatus |
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| manchmal in der nacht |
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| aus dem rumänischen von
aranca munteanu |
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wenn auch der letzte mensch in der
stadt eingeschlafen ist
sind die glocken der otto-wagner-kirche am hügel zu hören
und da nur ich sie höre wache ich auf
mache den schrank auf und nehme die flügel heraus und ziehe
sie an
fliege aus dem fenster und drehe einige runden über die
stadt
wecke den bleisoldaten auf dem rathausturm auf
umarme das kreuz auf dem stephansdom
mit den flügelspitzen berühre ich noch
einige statuen auf dem kunsthistorischen museum
maria theresia darf weiter schlafen sie scheint so müde zu
sein
ich begebe mich in richtung südbahnhof kein zug bewegt sich
ich gehe am prater vorbei
von oben sieht die raffinerie
wie ein vergnügungspark für kinder aus
ich fliege nach südwesten parallel zu autobahn
ich bleibe immer bei einem see so einsam wie das meer stehen
ich setzte mich an das ende des dammes
dort befinden sich noch einige schatten
wir stören uns aber nie
meine füße hängen im wasser mit den flügeln erzeuge ich
wellen
wie ein feindliches u-boot schickt der mond silberne
geschosse ab
ich mache die augen zu wenn sie am ufer explodieren
ein schwan küsst immer wieder meine füße
jedes mal füttere ich ihn mit stücken aus meinem leib
gerissen
dann schwimmt er weg und tanzt mit dem mond
ich glaube immer mehr daran dass
meine mutter ein schwarzer schwan ist |
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wien, 2007 |
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